"Warum wir auf die Berge steigen? Weil sie da sind." Wer das nun wann und wie genau gesagt hat, ist nicht ganz sicher; die einen schreiben das Bonmot Edmund Hillary zu, andere legen es Reinhold Messner in den Mund. Nun, der Üetliberg ist jedenfalls da (und damit auch Grund dafür, warum man in Zürich das Berner Münster nicht sieht), und will bestiegen werden. Diese Ehre taten wir ihm am 10. Mai 2003 gleich fünf Mal an:
| Von | Über | Nach | Höhe Start | Höhe Ziel | Aufstieg | Abstieg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Leimbach Hüsli | Ris | Baldern | 476 | 730 | 254 | 0 |
| Baldern | Mädikon - Leiterli | Friedhof Leimbach | 730 | 510 | 0 | 220 |
| Friedhof Leimbach | Rütschlibach | Fallätsche | 510 | 781 | 271 | 0 |
| Fallätsche | Folenweid - Juchegg | Bernegg | 781 | 640 | 0 | 141 |
| Bernegg | Föhreneggweg | Annaburg | 640 | 790 | 150 | 0 |
| Annaburg | Üetlibergweg (Laternenweg) - Cholbenhof | Cholbenhof | 790 | 530 | 0 | 260 |
| Cholbenhof | Denzlerweg | Uto Kulm | 530 | 870 | 340 | 0 |
| Uto Kulm | Denzlerweg - Rossweidliegg | Friesenberg | 870 | 550 | 0 | 320 |
| Friesenberg | Hohensteinweg | Uto Kulm (Turm) | 550 | 900 | 350 | 0 |
| Total | 1365 | 941 | ||||



Der erste Anstieg führt uns von Leimbach über Ris zur Baldern. Der Baldernweg ist ein alter, gut ausgebauter Pass; er dient uns zum Aufwärmen. Leider ist das Bergrestaurant Baldern seit Jahren geschlossen. Von der Baldern wandern wir auf dem Gratweg ein kurzes Stück zum Mädiker Gut.

Unmittelbar vor dem Gutshof findet sich rechts (östlich) vom Gratweg eine Wiese, die man hinabsteigt. Im Wald unterhalb der Wiese beginnt der Leiterliweg. Er ist nicht leicht zu finden, und wir schlagen uns eine Viertelstunde im Dornengebüsch herum, bis wir ihn haben. Er führt auf einem Rücken in östlicher Richtung den Hang hinunter. Unterwegs treffen wir eine Waldhütte, die leider nicht angeschrieben ist. Der Weg ist von den Gewittern der letzten Tage aufgeweicht, und auf den Wurzeln kommen wir tüchtig ins Rutschen. Bei der Kleeweidstrasse kommen wir aus dem Wald heraus und folgen dem Höhenweg zum Friedhof.

Vom Friedhof Leimbach steigen wir zum Rütschlibach ab und folgen dann dem schmalen und nassen Uferweg in Richtung Fallätsche. Der Fallätschenweg ist das Pièce de Résistance der ganzen Ochsentour. Er wird sehr selten begangen und ist bei Nässe wirklich heikel. Zuerst ist der Weg lauschig, dann wird er steiler, und wir müssen uns an kleinen Bäumen und Wurzeln über den rutschigen Lehmboden hochziehen. Die letzten 100 Höhenmeter sind Erdklettern (BG); oft genug muss ein Grasbüschel als Griff herhalten (nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen - man kann dabei ganz schöne Überraschungen erleben!). Völlig verschwitzt und verdreckt kommen wir auf einer Höhe von etwa 750m auf den Teehüsli-Weg. Marianne steigt hier wie geplant aus, und ich setze die Ochsentour alleine fort.

Ich gehe zum Gratweg hoch und steige auf der Höhe der Folenweid, einmal die Höcklerstrasse kreuzend, auf ca. 660m ab. Hier führt ein namenloser Pfad stets horizontal nach Norden; er überquert zahllose Bächlein, und die Gefahr, andere Wanderer anzutreffen, ist minim. Obwohl ich keine 500m vom Gratweg entfernt bin (manchmal hört man leise Stimmen von dort), erlebe ich hier Natur pur.

Bei der Bernegg treffe ich auf den Föhreneggweg, der vom Albisgüetli zur Annaburg führt. Er ist gut ausgebaut, und wo der Wald etwas lichter wird, hat man eine tolle Sicht über die Stadt und das Seebecken. Ich treffe einige Spaziergänger, die mir mit merkwürdigem Blick ausweichen - ich muss wirklich furchtbar dreckig sein. Bei der Annaburg habe ich etwa die Hälfte der Höhendifferenz hinter mir, und ich mache mich mit einem Landjäger und einem Riegel fit für die zweite Hälfte.

Von der Annaburg steige ich über den Laternenweg (auch Üetlibergweg genannt) an der Ulmer Hütte (ein Hoch auf die Brunnenbauer!) vorbei zum Cholbenhof ab. Ich mag die Abstiege auf diesen "guten" gleichmässig schrägen Kieswegen nicht, und wo immer möglich wähle ich die Abkürzung durchs Gelände.

Vom Cholbenhof führt der schmale Denzlerweg über hunderte von Stufen direkt zum Kulm. Der Denzlerweg ist sicherlich der schönste (und steilste) Üetliberganstieg. Die Tritte sind teilweise hoch und schmal und aufwärts angenehmer als abwärts. Einige gelbe Farbpunkte an Bäumen oder die Buchstaben "D.W." an einem Nagelfluhfels erleichtern die Orientierung.

Vom Kulm steige ich auf dem Denzlerweg gut 100m ab und folge dann einem Pfad in nordöstlicher Richtung. Er führt mich an der gut gepflegten Clarida-Hütte vorbei. Die Mitglieder des 1904 gegründeten Alpenclubs Clarida müssen gut zu Fuss sein; der Pfad führt über einige Meter Sandstein, die man richtiggehend abklettern muss. Immer auf der Krete der Rossweidliegg bleibend, komme ich zum Friesenberg.

Vom Friesenberg folge ich der Banzwiesenstrasse nach Nordwesten und stosse oberhalb des Döltschi auf den Hohensteinweg. Die etwas langweiligen Kehren kürze ich auf den Trampelpfaden in der Falllinie ab. Kurz nach dem Hohensteinhüttli wähle ich den Treppenweg über die Goldbrunnegg, gehe an der Clubhütte zur gelben Wand vorbei und komme, 6 Stunden nach dem Abmarsch in Leimbach, wieder auf dem Kulm an.

Es gibt sie noch, die alten Pfade am Üetliberg. Sie werden zwar nicht mehr allzu oft begangen, aber sie sind noch recht gut erhalten. Und auch viele der anfangs des 20. Jahrhunderts gebauten Clubhütten stehen noch und werden noch gepflegt. Trotz einiger Abschnitte auf für meinen Geschmack zu gut ausgebauten Wegen hat mich die Ochsentour durch viel einsame Natur geführt. Man kann auf Zürcher Stadtgebiet eine richtige Bergwanderung machen und so die Kunst, sich auch an kleinen Bergen kaputtzulaufen, trainieren.
Die Ochsentour hat Marianne und mir viel Freude gemacht, und wir werden sie im nächsten Frühling sicher wiederholen.
10.5.2003
Roman Koch
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