22. Oktober 2005 / 1. Januar 2007 / 26. Juni 2007
In den meisten Fällen nehmen sich Bergsteiger bei einer Tour einen Gipfel vor, und manchmal überschreiten sie auf der Tour auch noch einen kleineren naheliegenden Gipfel (die Führerliteratur spricht in diesem Zusammenhang meistens von Gipfeln, die man "noch mitnehmen kann"). Seltener besteigen sie gezielt mehrere Berge an einem Tag. Verschiedene Autoren haben solche Monstertouren unternommen und im Tourenverzeichnis dokumentiert. Als Monstertour bezeichne ich eine Tour, die über mehr als fünf Gipfel führt und dabei beträchtliche Ab- und Aufstiege zwischen den Gipfeln erfordert; die Schartenhöhe zwischen den Gipfeln der Tour muss dazu im Durchschnitt mehr als 100m betragen. Was sind die Motive und die Bedingungen für solchen Monstertouren, und welche Monstertouren gibt es?
Aus Gesprächen mit verschiedenen Bergsteigern habe ich folgende Motive für Monstertouren erfahren:
Monstertouren sind gegenüber normalen Besteigungen nicht nur länger, sie sind "anders" und erfordern vom Bergsteiger eine besondere Planung und Vorbereitung:
Klassische Monstertouren mit teilweise erheblichen Schwierigkeiten finden sich häufig in den Voralpen; hochalpine Monstertouren sind zwar möglich (und bekannt), aber noch weit selektiver. Hinweise auf weitere klassische Monstertouren nehme ich gerne in meine Liste auf!
Die Überschreitung aller Churfirsten (Selun, Frümsel, Brisi, Zuestoll, Schibenstoll, Hinterrugg, Chäserrugg) mit Ausgangsort Strichboden und Zielort Iltios ergibt nach meiner Berechnung 21 Distanzkilometer, 3100 Höhenmeter im Aufstieg und 3500 Höhenmeter im Abstieg. Diese Monstertour hat beispielsweise Maria Walliser am 29. August 2001 geschafft, und Oliver Fuhrer hat sie auf seiner Homepage dokumentiert.
Die Wägitaler Überschreitung beginnt beim Chöpfenberg und führt von dort über Tierberg, Bockmattli, Schiberg, Plattenberg, Brünnelistock, Rossalpelispitz, Zindlenspitz, Redertenstock, Mutteristock, Ochsenchopf und Wannenstöckli zum Fluebrig. Diese wahrhaft monströse Monstertour hat Christian Hauser am 1. August 1958 zusammen mit Leo Hüppin unternommen.
Am 15. Juni 2006 hat Delta diese schwierige und lange Monstertour wiederholt und sie im Tourenbuch wie folgt beschrieben:
| Gipfel | Höhe | Kommentar | Details |
|---|---|---|---|
| Tierberg | 1989 | Auf takt zur grössten Tour meines Lebens: 6000Hm, 50km, 22h, 20 Gipfel! 3.30; unten: mühsamer Aufstieg in der Dunkelheit, oben: bei Mondschein wunderschön | 6950 |
| Bockmattli | 1932 | 4.00; Ruhe über dem Mittelland und alleine auf dem Bockmattli... | 6951 |
| Schiberg | 2044 | 04.35; endlos schöne Morgenstimmung, beginnende Dämmerung und ein verblassender Mond. Schneefelder in der Schmelzi unproblematisch. | 6952 |
| Plattenberg | 2082 | 05.00; Unvergesslicher Sonnenaufgang im Sattel nach dem Plattenberg - einer der schönsten, den ich je gesehen habe! | 6953 |
| Brünnelistock | 2133 | 06.00: In der Morgensonne über den einfachen Klettergrat (T5) auf Gipfel Nr. 5. | 6954 |
| Rossalpelispitz | 2075 | 06.30; Morgenstimmung wie im Bilderbuch... | 6955 |
| Zindlenspitz | 2097 | 07.00; Morgensonne und unendliche Ruhe! Das einfache Gipfelsammeln ist fertig; jetzt gehts auf den langen Weg in Richtung Mutteri. | 6956 |
| Lachenstock | 2027 | Unscheinbarer Gipfel in den Karrenfeldern | 6957 |
| Redertengrat | 2053 | Im Vorbeiweg... | 6958 |
| Redertenstock | 2292 | 08.30; immer wieder ein schönes, selten begangenes Gipfelziel (T5 über den Sporn) | 6959 |
| Mutteristock | 2294 | 09.00; Schlüsselstelle der Tour: durch steiles schneegefülltes Couloir mit überhängender Wächte direkt aus dem Schneekessel zwischen Redderten und Mutteri (T5-T6). | 6960 |
| Ochsenchopf | 2179 | 10.10; Noch sehr viel Schnee! Erleichert das Begehen der Karrenfelder. Aufstieg auf den Ochsenchopf schön, T4, markiert. | 6961 |
| Wannenstöckli | 1988 | 11.00: über den kurzen, steilen und schön N-Grat (T5-T6) | 6962 |
| Gantspitz | 1970 | 13.10; die Sonne brennt, die Beine werden schwer... Steiler Aufstieg durch einen felsdurchsetzten Grashang vom Schwialppass (T5-T6) | 6963 |
| Turner | 2069 | 13.40; immer wieder herrliche Überschreitung über die ausgesetzten Vorderen Gräte (T5-T6), allerdings streng... | 6964 |
| Fluebrig | 2093 | 14.05, Wichtiger Eckpunkt der Tour! | 6965 |
| Chli Mutzenstein | 1504 | 15.15. hübscher, kleiner Gipfel mit Gipfelbuch und Leiter (T4) | 6966 |
| Rosenhöchi | 1507 | 15.50: streckmässig weit, der lange Tag beginnt sich bemerkbar zu machen... | 6967 |
| Nüssen | 1529 | 16.10; über weiche Moospolster in der heissen Nachmittagssonne | 6968 |
| Gross Aubrig | 1695 | 17.00, Geschafft! Letzter Gipfel der klassischen Rundtour! Ziemlich am Ende in der Hitze... | 6969 |
| Chöpfenberg | 1879 | 21.25, ewig langer Rückweg ins Schwendital, schmerzende Füsse... Wunderschöner Aufstieg in letztem Kraftschub durch die Süd(wand)route (T4,markiert) unter nahenden Gewittern und unglaubliches Gipfelerlebnis! WÄGITAL-RUNDTOUR - es ist geschafft!!! 6000Hm, | 6970 |
Zwischen Sihltal und Wägital zieht eine wenig begangene Kette vom Fluebrig zum Druesberg. Ihre Überschreitung bietet Schwierigkeiten bis zu T6. Delta hat die Route auf seiner Tour vom 18. Oktober 2005 wie folgt kommentiert:
| Gipfel | Höhe | Kommentar | Details |
|---|---|---|---|
| Fluebrig | 2093 | 7.00 Uhr: Start zur grossen Sihltalrundtour (14 Stunden, 4010 Hm, 20 Gipfel); in 100min von Ochsenboden bei Mondlicht und dem Blues in den Beinen... | 5393 |
| Turner | 2069 | der Sonnenaufgang ist schon nahe... | 5394 |
| Gantspitz | 1970 | schöne Überschreitung! Zuerst ausgesetzte, aber einfache Grasgrate, dann Grasflanken bis 50 Grad; T6 | 5395 |
| Wänifirst | 2004 | Erstes Highlight! Grate z.T. Fussbreit, im Gipfelbereich T6 | 5396 |
| Fläschenspitz | 2073 | 9.30: Etappenziel; schöne Ausblicke auf Nebelmeer und Alpen; normale Überschreitung T4+, Abstieg über vollständigen S-Grat T6 (heikel, brüchig und ausgesetzt) | 5397 |
| Lauiberg | 2057 | Gipfel Nr. 100 im 2005!!! (inkl. Überschreitung Biet); T3 | 5398 |
| Mieserenstock | 2199 | Landschaftlich gewaltig! T5+ vom Lauiberg, Pfadspuren | 5399 |
| Höch Hund | 2215 | 11.35: Gipfelbuchkontrolle, 16 Einträge, mein Steinmann steht noch! Endlich wieder auf dem schönsten Gipfel der Voralpen! T5 vom Mieserenstock; Schnee in den Nordhängen | 5400 |
| Chläbdächer | 2175 | Gemsenherde gesehen; immer wieder genial auf dem Gipfelkopf zu stehen! Einige kleine harmlose Kletterstufen im Aufstieg (T5); gegen Druesberg sehr ausgesetzt (T6) | 5401 |
| Druesberg | 2282 | 12.45: Fluebrig - Druesberg in 5.5 Stunden; herrlicher Aufstieg durch SW-Flanke und S-Sporn (Fels I, Gras bis 60 Grad) - ein weiteres Highlight! T6 | 5402 |
| Forstberg | 2215 | Schnee, rutschig; weiter zum Gross Sternen; gesamte Überschreitung Fluebrig - Sternen: 6.5 Stunden inkl. Pausen | 5403 |
| Twäriberg | 2117 | 15.05: mit schon etwas müden Beinen auf dem Bergweg... | 5404 |
| Rütistein | 2025 | direkt vom Twäriberg, inkl. Pfannenstöckli und Schülberg; Schülberg über den NE-Sporn (nicht empfehlenswert, Gras stellenweise 70 Grad); T6 | 5405 |
| Biet | 1966 | 17.05: inkl. Fidisberg und Wannenstock; Ende einer genialen Rundtour; 14 Stunden, 4010 Hm, 20 Gipfel | 5406 |
Diese 20km lange Tour führt auf einem zumeist schmalen Grasgrat vom Brienzer Rothorn über Briefenhorn, Tannhorn, Ällgäuhorn, Schnierenhörnli, Gummhorn, Blasenhubel, Augstmatthorn, Suggiture, Roteflue und Wannichnubel zum Harder Kulm. Sie ist in der SAC Clubzeitschrift vom September 2005 reich dokumentiert; einen Teil der Route habe ich am 17. Juni 2005 gemacht.
Zwischen Schwägalp und Toggenburg zieht eine rund 9km lange Kette vom Neuenalpspitz über Lütispitz, Schafwisspitz, Stoss, Silberplatten, Grenzchopf, Grauchopf und Girenspitz zum Säntis. Alpin_Rise hat diese anspruchsvolle Überschreitung (Stellen T6) am 19. Juni 2007 geschafft.
Eine anspruchsvolle Tour (Stellen T6) führt vom Niesen über folgende Gipfel: Fromberghorn, Drunengalm, Standhorn, Steinschlaghorn, Tschiparellenhorn, Mäggisserhorn, Schmelihorn, Hohniesen. Abstieg über Wyssi Flue zum Chratzchumisattel und ins Diemtigtal. Mit einem Biwak kann die Tour bis zum Albristhorn fortgesetzt werden.
Auch die Umrundung der Murgseen hat Delta am 13. September 2004 im Tourenverzeichnis dokumentiert:
| Gipfel | Höhe | Kommentar | Details |
|---|---|---|---|
| Magerrain | 2524 | 8.45; erster Gipfel eines langen Tages... T3-T4 | 2296 |
| Goggeien | 2351 | etwas abschüssige Grashänge im Aufstieg; T5 | 2297 |
| Huet | 2295 | - | 2298 |
| Rottor | 2489 | über Chammliseen und den N-Grat, T5 im Gipfelbereich | 2299 |
| Bützistock | 2496 | Hammerberg! Ausgesetzt über den Grat vom Rottor! T5/6; Gipfel Nr. 100 im 04! | 2300 |
| Gufelstock | 2436 | Recht anstengend durchs Chlotel aufgestiegen | 2301 |
| Höch | 2426 | - | 2302 |
| Chli Höch | 2400 | - | 2303 |
| Heustock | 2384 | - | 2304 |
| Schwarzstöckli | 2385 | 13:20; es reicht noch nicht! | 2305 |
| Etscherzapfen | 2231 | Man umgehe Pt. 2210 genug weit unten - nicht so wie ich... | 2306 |
| Hochmättli | 2252 | - | 2307 |
| Silberspitz | 2236 | Bergtour | 2308 |
Am 3. November 2004 hat Keyser Soze den Arnensee auf folgender Route umrundet:
| Gipfel | Höhe | Kommentar | Details |
|---|---|---|---|
| Blattistand | 2019 | - | 4894 |
| Stuedelistand | 2028 | - | 4895 |
| Seeberghorn | 2071 | - | 4896 |
| La Palette | 2171 | - | 4897 |
| Floriette | 2195 | - | 4898 |
| Arnenhorn | 2211 | - | 4899 |
| Tête de Clè | 2015 | - | 4900 |
| Arnätschistand | 2097 | SW-Grat etwas brüchig und delikat | 4901 |
| Wittenberghorn | 2350 | Schöne und lange Grattour um den Arnensee | 4902 |
| Rot Horn | 2325 | - | 4903 |
| Hirzenflue | 2212 | - | 4904 |
Das Tessin mit seinen langen, tief eingeschnittenen Tälern weist auf den dazwischenliegenden Graten natürlich einige beeindruckende und teilweise schwierige Grattouren auf. Dank der vielen UTOE-Hütten können sie oft in mehreren Etappen gemacht werden. Keyser Soze und harrjejan empfehlen folgende Touren:
harrjejan hat am 5. Juni 2006 einen Teil der letztgenannten Tour in umgekehrter Richtung gemacht:
| Gipfel | Höhe | Route | Kommentar | Details |
|---|---|---|---|---|
| Cima di Cugn | 2238 | Siehe Marmontana | Tag fängt mit ein todes Wildschwein, Altostratuswolken und wenig Sonne und ein schlechtes Frühstuck (nach viel zu wenig Abendessen). 1 Murmeltier. | 6896 |
| Marmontana | 2316 | Capanna- Pt. 2045- Cima di Cugn- Marmontana- Passo S. Jorio- Passo della Traversa- Pt. 1988, 1922- Btta di Nembruno- M. di Giumello- Btta di Albano- Pt. 1941, 1890- Cima Pomodoro- Querung O Flanke- Motto della Tappa- Pt. 1993, 2026, 2088- (...) | Etwas ausgesetzte überschreitung mit Händeneinsatz (T3+), meine Querung durch die steile Südflanke (T4) ist nicht anbefehlenswert. Jetzt schon müde ... | 6897 |
| Mottone di Giumello | 2027 | Siehe Marmontana. | Ausgesetzte überschreitung mit leiche Kletterei (I) zwischen Passo della Traversa und Btta di Nembruno (T4+) | 6898 |
| Monte Albano | 2027 | Siehe Marmontana. Dieser Eintrag ist für Cima Pomodoro (1976 m), 730.3, 111.4 | Steiler Aufstieg über Strauchengelände, später mühsame steile, meist weglose Querung unterhalb Gipfelaufbau und oberhalb Felsabbruch (T4). Offenbar ist überschreitung mit einb Fixseil unproblematisch (T3+). Habe ich nicht gesehen! | 6899 |
| Motto della Tappa | 2078 | Siehe Marmontana. | Kurz auf markierter Weg. Weitere Weg auf Spuren und mit etwas ausgesetzte leichte Kletterstellen (I) | 6900 |
| Mottone della Tappa | 2130 | (...)- Mottone della Tappa- Btta di Stabbiello- Monte Stabbiello- 2068, 2034- Vetta del Vallone- Monte Segor- Gazzirola- Pt. 1730- Colla. T4+, 1825 Höhenmetern. | Etwas ausgesetzt ein Felsband überwinnen, dann steil, aber einfach über vereinzelte Spuren (T3) | 6901 |
| Monte Stabbiello | 2116 | Siehe Mottone della Tappa. | Aufstieg Weglos über Grashänge, abstieg über Spur, erneut etwas ausgesetzt und felsig (I) vor allem richtung Vetta del Vallone | 6902 |
| Cima della Valletta | 2130 | Siehe Mottone della Tappa. Achtung: Eintrag für fehlende 'Vetta del Vallone' (2135 m, 727.3, 109.3) | Meist weglos über steiles Gras und einige Felsbänder. Im Abstieg vereinfacht sich der Grat definitiv. | 6903 |
| Monte Segor | 2097 | Siehe Mottone della Tappa. | Jetzt mit Wanderweg in der Nähe. Starker Wind! | 6904 |
| Gazzirola | 2116 | Siehe Mottone della Tappa. | Lange, aber schöne Tour. Sehr einsame Tour: keine andere Wanderer gesehen. 1825 Höhenmetern auf, 2575 Höhenmetern ab, auch mit längere Strecken ohne ausgeprägte Höhenunterschieden. | 6905 |
Auch der Sentiero Calanca sowie die Via Alta Verzasca haben den Charakter von Monstertouren, auch wenn bei ihnen nicht das Gipfelsammeln, sondern das anspruchsvolle alpine Weitwandern im Vordergrund steht.
Auch wer weniger die bergsteigerische Herausforderung sucht, sondern als Wanderer Gipfel sammeln will, kommt in den Voralpen auf seine Rechnung.
Dass die Appenzeller anders ticken, hat sich übrigens vor einigen Jahren wieder gezeigt: Die über 20 Berggasthäuser im Alpstein haben zusammen eine Stempelkarte herausgegeben; wer innert einem Jahr alle Berggasthäuser besuchte, bekam gratis einen kleinen Rucksack. Schon wenige Wochen nach dem Start der Aktion hatten die ersten Spinner einen Weg gefunden, alle Berggasthäuser in einer zweitägigen Tour anzulaufen, und wenig später schaffte es einer, sie alle an einem Tag zu besuchen. Ein knallharter Bergmarathon nur für einen billigen Werberucksack!
Die Tour ist nicht nur reich an Gipfeln (sechs insgesamt), Nagelfluhfelsen und schönen Sichten ins Glarnerland, sondern auch reich an Weide-Drehkreuzen. Die Freunde von Stacheldraht und quitschendem Metall kommen voll auf ihre Rechnung.
Höchhand, Habrütispitz und Tweralpspitz können übrigens leicht auf der dem Goldinger Tal zugeneigten Seite umgangen werden, aber dann gelten die Gipfel natürlich auch nicht als bestiegen.
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