Ob eine Bergtour drei Stunden dauert oder zehn, ob sie fünfhundert Höhenmeter überwindet oder zweitausend, macht einen wesentlichen Unterschied für die konditionellen Voraussetzung, sagt aber nichts über die Schwierigkeit der Tour aus. In SAC-Kreisen und in einigen anderen Wander- und Tourenführern hat sich folgendes System zur Bewertung der Schwierigkeit durchgesetzt:
Die vier Skalen sind nicht direkt vergleichbar, und man sollte keinesfalls den Fehler machen, Bergwanderungen grundsätzlich leichter als Hochtouren oder Klettertouren einzuschätzen. Ein ausgesetzter, loser und nasser Schrofenhang in den Voralpen, der mit BG (Berggänger) bewertet ist, kann wesentlich schwerer sein als eine mit WS (Wenig schwierig) taxierte Hochtour. Man muss auch beachten, dass das Wetter und die Sichtverhältnisse einen grossen Einfluss auf die Schwierigkeit haben: Eine mit L (Leicht) bewertete Gletschertour kann man vielleicht auch bei Regen noch erfolgreich zu Ende bringen, während eine mit T3 (anspruchsvolles Bergwandern) taxierte Voralpenwanderung im Kalk bei Regen zum Horror werden kann.
Die Schwierigkeitsbewertung wird von Menschen gemacht; sie bewerten eine Tour jeweils unter bestimmten äusseren Bedingungen und in einer bestimmten körperlichen Verfassung. Was beim einen Autor noch als "leicht" gilt, kann beim anderen Autor schon als "wenig schwierig" gelten. Man sollte sich erst dann an eine Tour in einem höheren Schwierigkeitsgrad wagen, wenn man mehrere Touren des unteren Grades problemlos gemeistert hat.
In meiner Zusammenstellung beschränke ich mich auf die Schwierigkeitsgrade, die ich selbst im Gelände kennengelernt habe. Wer höhere Schwierigkeitsgrade drauf hat, kennt deren Bewertung ohnehin.
Weitere Informationen zur neuen Wanderskala finden Sie in Die Alpen 4/2002 des SAC.
| Grad | Weg/Gelände | Anforderungen | Referenztouren |
|---|---|---|---|
| T1 Wandern |
Weg gut gebahnt. Falls nach SAW-Normen markiert: gelb. Gelände flach oder leicht geneigt, keine Absturzgefahr. | Keine, für Turnschuhe. Orientierung problemlos, auch ohne Karte möglich. | Männlichen - Kleine Scheidegg, Hüttenweg Jurahaus, Cabane Mont Raimeux, Strada Alta Leventina, Vermigelhütte. |
| T2 Bergwandern |
Weg mit durchgehendem Trassee. Falls SAW-konform markiert: weiss-rot-weiss. Gelände teilweise steil, Absturzgefahr nicht ausgeschlossen. | Etwas Trittsicherheit. Trekkingschuhe sind empfehlenswert. Elementares Orientierungsvermögen. | Wildhornhütte, Bergseehütte, Täschhütte ab Täschalp, Passo Campolungo, Capanna Cristallina von Ossasco. |
| T3 anspruchsvolles Bergwandern |
Weg am Boden nicht unbedingt durchgehend sichtbar. Ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein. Eventuell braucht man die Hände fürs Gleichgewichtfalls markiert: weiss-rot-weiss. Zum Teil exponierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen. | Gute Trittsicherheit. Gute Trekkingschuhe. Durchschnittliches Orientierungsvermögen. Elementare alpine Erfahrung. | Hohtürli, Sefinenfurgge, Fründenhütte, Grosser Mythen, Pizzo Centrale vom Gotthardpass. |
| T4 Alpinwandern |
Wegspur nicht zwingend vorhanden. An gewissen Stellen braucht es die Hände zum Vorwärtskommen. Falls markiert: weiss-blau-weiss. Gelände bereits recht exponiert, heikle Grashalden, Schrofen, einfache Firnfelder und apere Gletscherpassagen. | Vertrautheit mit exponiertem Gelände. Stabile Trekkingschuhe. Gewisse Geländebeurteilung und gutes Orientierungsvermögen. Alpine Erfahrung. Bei Wettersturz kann Rückzug schwierig werden. | Schreckhornhütte, Dossenhütte, Mischabelhütte, Übergang Voralphütte-Bergseehütte, Vorder Glärnisch, Steghorn (Leiterli), Piz Terri, Pass Casnile Sud. |
| T5 anspruchsvolles Alpinwandern |
Oft weglos. Einzelne einfache Kletterstellen. Falls Route markiert: weiss-blau-weiss. Exponiert, anspruchsvolles Gelände, steile Schrofen, Gletscher und Firnfelder mit Ausrutschgefahr. | Bergschuhe. Sichere Geländebeurteilung und sehr gutes Orientierungsvermögen. Gute Alpinerfahrung und elementare Kenntnisse im Umgang mit Pickel und Seil. | Cabane Dent Blanche, Büttlasse, Salbitbiwak, Sustenjoch Nordflanke, Bristen, Pass Cacciabella. |
| T6 schwieriges Alpinwandern |
Meist weglos. Kletterstellen bis II. Meist nicht markiert. Häufig sehr exponiert. Heikles Schrofengelände. Gletscher mit erhöhter Ausrutschgefahr. | Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen. Ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechischen Hilfsmitteln. | Niesengrat (Fromberghorn Nord), Glärnisch Guppengrat, Via alta della Verzasca. |
Die zunehmende Popularität des Sportkletterns hat die nach oben offene UIAA-Skala etwas entwertet; in Hallen und Klettergärten versucht sich mancher an einer Sechserroute, der im Gelände selbst an einem Vierer scheitern würde. Selbst in einer Dreierroute kann ein dreckiger Tritt oder eine ausgesetzte Felsnadel Anforderungen stellen, die man in der Halle nicht simulieren kann. Zudem ist man im Gelände nach einem langen Anstieg vielleicht bereits etwas müde. Die Sicherungsmöglichkeiten sind im Gelände rarer und erfordern etwas technische Kreativität; bequeme Standplätze sind selten, und der Rucksack schränkt die Bewegungsfreiheit ein.
Neben der "offiziellen" UIAA-Skala gibt es verschiedene andere Skalen für Kletter-Schwierigkeitsgrade, bei denen vor allem die französische zunehmend populär wird.
Kombinierte Touren im Hochgebirge sind fast nie markiert, erfordern gute Kenntnisse in der Seil- und Sicherungstechnik, und sind in besonderem Masse von den Witterungs- und Sichtverhältnissen abhängig. Kletterstellen werden in schweren Bergschuhen, manchmal mit Steigeisen überwunden.
Die verschiedenen Skalen sind zwar nicht direkt vergleichbar, da sie unterschiedliche Arten von Touren in unterschiedlichem Gelände mit unterschiedlichen Anforderungen beschreiben. Die Gegenüberstellung kann deshalb nur erste grobe Hinweise geben.
| Alte Wanderskala | Neue Wanderskala | Hochtourenskala | |
|---|---|---|---|
| 1 | B | T1 | - |
| 2 | T2 | ||
| 3 | EB | T3 | |
| 4 | T4 | ||
| 5 | L | ||
| 6 | BG | ||
| 7 | T5 | ||
| 8 | WS | ||
| 9 | T6 | ||
| 10 | ZS |
19. Dezember 2004 / 16. Juli 2005
Roman Koch
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